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Exoskelette in Lager und Logistik: Entlastung beim Heben, Tragen und Kommissionieren

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Wo Exoskelette in der Logistik ansetzen

In Lager und Logistik wechseln sich unterschiedliche Tätigkeiten ab: Beschäftigte heben und bewegen Güter, greifen in Regale, verpacken Waren oder stellen Aufträge zusammen. Je nach Arbeitsablauf können dabei wiederholt körperliche Belastungen entstehen. Exoskelette sollen bestimmte Bewegungen unterstützen und die Beanspruchung einzelner Körperbereiche verringern.

Ein Exoskelett ist eine am Körper getragene Unterstützungskonstruktion. Es kann Kräfte über Rahmen, Gurte oder Gelenkmechanismen aufnehmen und umleiten. Welche Wirkung sich im Arbeitsalltag ergibt, hängt unter anderem von der Bauart, der Einstellung und der konkreten Tätigkeit ab. Ein Exoskelett macht eine Aufgabe nicht automatisch leicht und ersetzt keine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung.

Für die Auswahl ist deshalb nicht entscheidend, ob ein Gerät allgemein für „Lagerarbeit“ vorgesehen ist. Wichtig ist, welche Bewegung regelmäßig ausgeführt wird und ob die Unterstützung genau dazu passt. Ein Hilfsmittel, das bei einer Tätigkeit angenehm ist, kann bei einem anderen Arbeitsschritt hinderlich sein.

Dieser Beitrag konzentriert sich auf Hebe-, Trage- und Kommissioniersituationen im Lager. Arbeitsplätze mit langem Stehen behandelt der Beitrag zu Bein-Exoskeletten und tragbaren Sitzhilfen, Arbeiten im Freien und im Gewächshaus der Beitrag zu Exoskeletten in Landwirtschaft und Gartenbau. Weitere industrielle Einsatzfelder ordnet die Rubrik Industrie ein.

Exoskelette in der Logistik: Welche Tätigkeiten kommen infrage?

Heben und Umsetzen

Beim Anheben von Waren aus niedrigen Positionen wird häufig der Oberkörper nach vorn geneigt. Bestimmte Exoskelettbauarten zielen darauf ab, den Rückenbereich in solchen Haltungen zu unterstützen. Sie können dabei helfen, einen Teil der Belastung auf eine tragende Struktur zu übertragen. Sie heben die Ware jedoch nicht selbst und beseitigen auch nicht die Belastung durch Gewicht, Griffbedingungen oder ungünstige Bewegungsabläufe.

Für wiederholtes Umsetzen ist außerdem wichtig, wie sich das Hilfsmittel bei wechselnden Positionen verhält. Beschäftigte müssen sich häufig drehen, seitlich greifen oder zwischen verschiedenen Höhen wechseln. Ist die Bewegung durch das Exoskelett eingeschränkt, kann die Unterstützung im Arbeitsablauf mehr behindern als helfen. Wie sich ähnliche Hebesituationen auf Baustellen darstellen, beschreibt der Beitrag zu Exoskeletten im Baugewerbe.

Tragen und Transportieren

Beim Tragen wirken Belastungen über die Dauer der Bewegung und die zurückgelegte Strecke. Manche Systeme unterstützen den Rumpf oder bestimmte Gelenkbereiche, andere sind auf andere Bewegungsmuster ausgelegt. Die Eignung hängt davon ab, wie Lasten aufgenommen, gehalten und abgesetzt werden und ob währenddessen freie Beweglichkeit erforderlich ist.

Ein Exoskelett ist kein Ersatz für geeignete Transportmittel. Wo sich Wege, Abläufe oder Bereitstellung verändern lassen, sollte zunächst geprüft werden, ob dadurch unnötiges Tragen vermieden werden kann. Technische Unterstützung am Körper ist vor allem dann sinnvoll zu beurteilen, wenn die Aufgabe trotz organisatorischer und technischer Verbesserungen körperlich fordernd bleibt.

Kommissionieren und Arbeiten an Regalen

Beim Kommissionieren greifen Beschäftigte Waren aus unterschiedlichen Höhen und tragen oder bewegen sie zum nächsten Arbeitsschritt. Je nach Regalgestaltung kann die Tätigkeit häufiges Vorbeugen, Strecken oder Halten der Arme umfassen. Exoskelette für den Oberkörper oder die Schultern können für einzelne wiederkehrende Bewegungen entwickelt sein, passen aber nicht automatisch zu jedem Kommissionierablauf.

Besonders zu beachten sind Bewegungswechsel. In einem Auftrag können sich Greifen, Gehen, Drehen, Absetzen und das Bedienen von Arbeitsmitteln abwechseln. Die Unterstützung darf dabei weder den Blick auf die Ware noch den sicheren Griff oder das zügige Ausweichen beeinträchtigen. Auch der Platz zwischen Regalen und an Übergabestellen gehört zur Beurteilung.

Welche Bauarten gibt es?

Exoskelette lassen sich grob danach unterscheiden, wie sie Unterstützung erzeugen. Passive Systeme nutzen mechanische Elemente wie Federn oder elastische Komponenten. Sie benötigen keine aktive Kraftunterstützung durch einen Antrieb. Aktive Systeme arbeiten mit Antrieben und einer Energieversorgung. Daneben gibt es unterschiedliche Konstruktionen für einzelne Körperbereiche und Bewegungsaufgaben.

Die Bezeichnung allein sagt wenig darüber aus, ob ein System für eine konkrete Logistikaufgabe geeignet ist. Entscheidend sind unter anderem:

  • welcher Körperbereich unterstützt wird,
  • bei welcher Haltung oder Bewegung die Unterstützung wirkt,
  • wie viel Bewegungsfreiheit erhalten bleibt,
  • wie sich das System an verschiedene Körper und Kleidung anpassen lässt,
  • ob das An- und Ablegen in den Arbeitsablauf passt.

Auch das Gewicht und die Kontaktstellen am Körper sind relevant. Druck, Wärme oder Reibung können die Tragedauer beeinflussen. Ein leichteres System ist nicht automatisch die passendere Lösung, wenn seine Unterstützung nicht zur Aufgabe passt.

Einsatz im Betrieb sorgfältig vorbereiten

Tätigkeit statt Berufsbezeichnung betrachten

Vor einer Einführung sollte der konkrete Ablauf beschrieben werden. Dazu gehören die Häufigkeit einzelner Bewegungen, die Greifhöhen, die Art der Lasten, die Dauer bestimmter Haltungen und die Übergänge zwischen Arbeitsschritten. Eine Berufsbezeichnung wie „Kommissionierung“ ist dafür zu allgemein.

Sinnvoll ist es, Beschäftigte in die Beurteilung einzubeziehen. Sie kennen häufige Abweichungen vom geplanten Ablauf, enge Stellen und Situationen, in denen Bewegungsfreiheit besonders wichtig ist. Ebenso sollte berücksichtigt werden, ob mehrere Tätigkeiten innerhalb einer Schicht wechseln und ob das Exoskelett für alle davon geeignet ist.

Passform und Einstellung

Ein Exoskelett muss zur Person und zur Aufgabe passen. Gurte und Stützelemente sollten so eingestellt sein, dass sie die vorgesehene Bewegung unterstützen, ohne zu verrutschen oder unnötig Druck auszuüben. Körperbau, Arbeitskleidung und persönliche Bewegungsmuster können beeinflussen, ob eine Einstellung funktioniert.

Die Einweisung sollte erklären, für welche Tätigkeiten das System gedacht ist, wie es angelegt wird und woran Beschäftigte eine ungeeignete Passform erkennen können. Wichtig ist auch, dass klar ist, wie bei Beschwerden, Einschränkungen oder technischen Auffälligkeiten vorzugehen ist. Eine allgemeine Einweisung ersetzt keine aufgabenbezogene Beurteilung.

Arbeitsabläufe und Sicherheit

Ein Exoskelett verändert die Bedingungen, unter denen gearbeitet wird. Es kann Bewegungen begrenzen, an Gegenständen oder Arbeitsmitteln hängen bleiben oder bei bestimmten Tätigkeiten stören. Deshalb sollten auch Laufwege, Regale, Fördertechnik und Arbeitsbereiche in die Beurteilung einbezogen werden.

Die Unterstützung darf nicht dazu führen, dass Beschäftigte schwerere Lasten bewegen oder länger in belastenden Haltungen arbeiten, nur weil ein Hilfsmittel getragen wird. Arbeitsorganisation, geeignete Hebe- und Transporthilfen sowie eine sinnvolle Gestaltung der Arbeitsplätze bleiben wichtige Bestandteile der Prävention. Das Exoskelett ist eine mögliche Ergänzung, kein Ersatz für diese Maßnahmen.

Grenzen und mögliche Nachteile

Eine Unterstützung kann sich je nach Person und Aufgabe unterschiedlich anfühlen. Manche Beschäftigte empfinden zusätzliche Konstruktionen am Körper als störend. Bei anderen kann die Beweglichkeit eingeschränkt sein oder die Passform im Verlauf der Arbeit unangenehm werden. Solche Rückmeldungen sollten ernst genommen und nicht als mangelnde Gewöhnung abgetan werden.

Weitere Grenzen ergeben sich aus wechselnden Tätigkeiten. Ein System, das eine bestimmte Haltung unterstützt, kann bei häufigem Gehen, Drehen oder Arbeiten in engen Bereichen unpraktisch sein. Auch der Wechsel zwischen Arbeitsplätzen, das An- und Ablegen sowie notwendige Pausen müssen in den Betriebsablauf passen.

Wichtig ist außerdem, Belastungen nicht einfach auf andere Körperbereiche zu verlagern. Eine Entlastung an einer Stelle bedeutet nicht zwingend, dass die Gesamtbeanspruchung sinkt. Deshalb sollte die Wirkung im jeweiligen Arbeitskontext beurteilt werden, statt allein auf die Konstruktion oder eine allgemeine Produktbeschreibung zu vertrauen.

Einführung und laufende Beurteilung

Eine schrittweise Einführung ermöglicht es, Passform und Arbeitsablauf zu prüfen, bevor ein System dauerhaft eingesetzt wird. Beschäftigte sollten dabei Rückmeldungen zu Bewegungsfreiheit, Komfort und möglichen Störungen geben können. Die Beurteilung sollte sich auf die vorgesehene Tätigkeit beziehen und auch Abweichungen im tatsächlichen Ablauf erfassen.

Nach der Einführung bleibt die Situation beobachtungsbedürftig. Ändern sich Waren, Regalanordnungen, Transportwege oder Aufgaben, kann sich auch die Eignung des Exoskeletts ändern. Bei Beschwerden oder Sicherheitsproblemen sollte der Einsatz überprüft werden. Für Fragen zum Arbeitsschutz und zur ergonomischen Gestaltung können zuständige Fachleute im Betrieb einbezogen werden.

Häufige Fragen zu Exoskeletten in Lager und Logistik

Können Beschäftigte ein Exoskelett gemeinsam nutzen?

Das hängt davon ab, ob sich das System sicher und passend auf verschiedene Personen einstellen lässt. Vor einer gemeinsamen Nutzung müssen Passform, Anpassungsaufwand und Zustand der Kontaktflächen berücksichtigt werden. Die betrieblichen Vorgaben zur Reinigung und Bereitstellung sollten ebenfalls geklärt sein.

Wie lässt sich ein Exoskelett mit persönlicher Schutzausrüstung vereinbaren?

Die Kombination muss für die konkrete Tätigkeit geprüft werden. Gurte oder Stützelemente dürfen vorgeschriebene Schutzkleidung nicht beeinträchtigen und deren Sitz oder Funktion nicht behindern. Bei Unsicherheit sollten die zuständigen Arbeitsschutzverantwortlichen einbezogen werden.

Was ist bei aktiven Exoskeletten im Lager zu beachten?

Aktive Systeme benötigen eine Energieversorgung und können zusätzliche Anforderungen an den Betriebsablauf stellen. Vor dem Einsatz sollten Zuständigkeiten für Laden, Aufbewahren und den Umgang mit Störungen festgelegt sein. Außerdem ist zu prüfen, ob Antrieb und Bauform mit der Arbeitsumgebung vereinbar sind.

Eignet sich ein Exoskelett für alle Beschäftigten gleichermaßen?

Ob ein bestimmtes System für eine Person und eine Tätigkeit geeignet ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Die Passform, die Bewegungsanforderungen und die betriebliche Beurteilung müssen berücksichtigt werden. Ob und für wen ein Einsatz vorgesehen wird, sollte mit den zuständigen Fachleuten im Betrieb und den Beschäftigten gemeinsam geklärt werden.

Fazit

Exoskelette können in Lager und Logistik einzelne Bewegungen unterstützen, wenn Bauart und Passform zur Aufgabe passen. Entscheidend ist eine sorgfältige Beurteilung des tatsächlichen Arbeitsablaufs einschließlich Bewegungsfreiheit, Sicherheit und Rückmeldungen der Beschäftigten. Gute Arbeitsgestaltung und geeignete technische Hilfen bleiben dabei unverzichtbar.

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